Geduldstraining 9. Monat

Zur Zeit ist wirklich der Wurm drin und ich komme zu gar nichts mehr ....deswegen der später Eintrag.

Der 9. Monat hat es in sich, Madame geht es richtig schlecht, es ist so herzzerreißend, das teilweise hilflos miterleben zu müssen. Es sind sicher die Zähne aber auch noch vieles mehr. Die Trennungsängste sind so stark, dass nicht mal mehr der Papa einspringen kann. In diesen Lebensmonaten lernen die Babys die unterschiedlichen Emotionen und Verhaltensweisen wahrzunehmen und zu verstehen und sind wohl ganz schön überfordert von den Bauarbeiten im Gehirn. Ich kann mir die Gründe immer wieder bewusst machen, es ändert aber nichts daran, dass ich noch niemals im Leben so sehr mit meiner Selbstbeherrschung kämpfen musste. Ich empfinde es als äußerst schwierig, das ununterbrochene Weinen und Schreien nicht persönlich zu nehmen und es gibt leider Momente, in denen ich einfach keine Kraft mehr habe, darauf zu reagieren. Manchmal brauch ich die extra Minuten um endlich einmal das Essen fertig machen zu können oder oder oder. Ganz klar ist, dass das Tragetuch ungemein hilft und ich es direkt früh nach dem Aufstehen auspacke und Madame beim Zubereiten ihres und meines Frühstücks in die Hüftschlinge binde. Dann gehen wir am Mittag im ER-Tuch unsere Standard-Gassirunde um Erledigungen zu machen und je nachdem wie gut oder schlecht der Nachmittag ist, noch einmal raus bevor es ans abendliche Kochen geht. Trotzdem kann ich einfach nicht rund um die Uhr tragen und mir dann zumeist auch noch das Gebrüll anhören, wenn ich sie einbinden will.

Heute hatte ich einen ziemlichen Tiefpunkt und mein Körper konnte einfach nicht mehr aufstehen, als ich dabei war, den Boden nach dem Essen - aka Essen-auf-den-Boden-Werfen-Beschäftigung- zu reinigen und mir es sprudelten in einem ziemlichen Gefühlsfeuerwerk die Tränen heraus und mein ganzer Stress entlud sich in einer Heulattacke. Ich hatte das Gefühl, nichts in der Welt könnte mich wieder dazu bewegen aufzustehen, es ging einfach nicht mehr. Ich wollte mich am liebsten hinwerfen, zusammenrollen und einfach nur heulend einschlafen. Madame fing nach kurzer Verwirrungspause noch stärker an zu weinen und verzweifelt zu schluchzen. Es war so schlimm und nicht zu ertragen dass minimale Kraft zurück in meinen Körper kam, gerade genug um sie aus dem Hochstuhl zu nehmen und fest an mich zu drücken. Da saßen wir also inmitten der heruntergeworfenen Essensstücke und schluchzten im Gleichklang. Solche Emotionen habe ich bisher noch nie erlebt und ich glaube auch nicht, dass es ohne Kind ähnliche Gefühle -sowohl der tiefen Erschöpfung, Überforderung und irgendwie auch Wut, als auch der absoluten Liebe und Betroffenheit- geben kann. Ich konnte in diesem Moment erkennen, dass sie mich versteht und dass sie sehr genau wahrnimmt, wie es mir geht. Das verunsicherte sie natürlich, besänftigte sie allerdings auch etwas. Ich hatte sogar das Gefühl, dass sie mich durch Lächeln wieder aufmuntern wollte.

Dieser Moment hat mir bewusst gemacht, dass ich an der Belastungsgrenze bin und schleunigst für Ruhephasen sorgen muss um nicht Ärger und Frust am Baby auszulassen. Erschwerend kommen zur Zeit die Beißereien beim Stillen dazu, die ich schon mit sämtlichen Tricks zu unterbinden versuche. Da Stillen leider immer noch meine Einschlafvariante ist, kommt es dabei zu Konflikten. Einerseits muss ich zum Einschlafen stillen, andererseits kann ich es ab und an nicht, weil die Zähne ausgefahren werden und ich danach höllische Angst vor dem erneuten Anlegen habe. Einige Male endete das Ganze damit, dass Madame beim Ablegen weinte und dann ihren Kopf auf meinem Bauch ablegte und dort dann auch einschlief. Tagsüber ist es dann häufig so, dass ich das Schlafenlegen unterbreche, sie noch mal etwas bespaße und es etwa 30 min später erneut versuche. Dann klappt es meistens.

Mal schauen, ob es bald besser werden wird... ich hoffe inständig, dass dem so ist...

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