Alles durcheinander....

Mich hat die vergangenen Tage so einiges beschäftigt. Viele Reaktionen meiner Umwelt haben mich über unsere hiesigen Glaubenssätze nachdenken lassen und wie wir alle miteinander umgehen.

Ich bin in vielerlei Hinsicht ein Exot und auch wenn mir das eigentlich ganz gleich ist, fehlt es mir, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen. Gerade in Deutschland scheint es sehr schwer zu sein, alternative Meinungen zu vertreten und dafür nicht sofort ein Sturm aus vorwurfsvollen Kommentaren zu ernten. "Teile und herrsche"-das ist wirklich das Credo unserer deutschen Gesellschaft. Wir neigen dazu, Leute so schnell einzuordnen um uns im Folgenden nicht mehr mit der Argumentation auseinandersetzen zu müssen. Es scheint mir, dass es als persönliche Verletzung aufgefasst wird, wenn Dinge anders gemacht werden ohne das selbst implizieren zu wollen. Das geht mittlerweile so weit, dass ich mir wirklich nicht traue, Frida im Park oder in öffentlichen Cafés abzuhalten bzw. wenn einige andere Mamas dabe sind, weil ich mir nicht wieder Bemerkungen zu meiner "frühen Sauberkeitserziehung" (also ich nenne das natürlich keineswegs so, aber es wird gerne als solche betrachtet) anhören möchte. Vielleicht liegt es auch etwas an der verbissenen deutschen Mentalität, dass wir uns verschließen gegenüber alternativen Denkweisen. Manchmal wünschte ich mir einfach mehr Möglichkeiten, sich unvoreingenommen und ohne Kategorisierung über verschiedenste Themen unterhalten zu können. Hinterfragt man nämlich Glaubenssätze in einem Bereich, wird man sehr schnell fündig in anderen und erkennt in allen Lebenslagen, wie wir in bestimmte Richtungen gelenkt werden können. Ein gewisses Maß an kritischer Haltung und Skepsis ist daher doch wohl angebracht und aber auch zumindest an Bereitschaft für neue Denkmuster oder -weisen. Im Umgang mit Kindern zum Beispiel verfallen wir so schnell in altbekannte Muster der Interaktion, entsprechend unserer eigenen Prägung. Ohne es zu merken, kommunizieren wir mit Kindern würdelos und verletzend oder sind unfähig wirklich zuzuhören. Wir kommandieren, machen ständig Vorschläge, loben oder bestrafen, drohen, belehren, kritisieren, lenken ab oder unterhalten uns gar nicht.. etc. Und es ist einfach so so schwierig wirklich zuzuhören und ein bereicherndes Gespräch zu führen- mit Kindern als auch mit Erwachsenen. Wie häufig rutschen mir bereits jetzt Sätze heraus die eine -"wenn....dann" -Drohung beinhalten oder etwas mit "toll oder super" bewerten. Die Kinder sind dabei unsere besten Lehrer und in solchen Momenten bekomme ich schon in dem jungen Alter ein verstörtes Feedback, denn was soll ein Kind damit anfangen? Es will kein Lob, da es eine eigene intrinsische Motivation hat, es will gesehen und respektiert werden. Mindestens genauso schwer stelle ich es mir vor, später einmal die Balance zwischen meinen Bedürfnissen und denen des Kindes zu finden, als auch zwischen Grenzen und Struktur aber gleichzeitig Gestaltungsfreiraum. Dazu kommt ja noch der Einfluss von außen und das Verhalten in der Öffentlichkeit bzw. die Beugsamkeit. Was wird von mir von außen im Umgang mit meinem Kinder erwartet? Wieviel kann ich anders machen oder mein Kind zum Außenseiter zu machen? Eigentlich soll es doch ein selbstsicherer Mensch BLEIBEN, der weiterhin kompetent aufwachsen darf. 

Eine Herausforderung aber auch sind Chance, sein eigenes Leben wieder deutlich häufiger zu hinterfragen. 

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