Warum fällt es mir manchmal so schwer, Kooperation zu erkennen?

Was ist denn nur los bei uns zur Zeit-irgendwie kommt es mir stressiger vor als sonst. Madame lässt sich zur Zeit nicht gern einbinden, zappelt stark und der Einfache Rucksack lässt sich nicht gut beuteln. Unten alleine spielen will sie auch nicht und so häufig schlafen ist leider auch keine Option mehr...Das Einzige was meistens gut funktioniert ist das gemeinsame auf dem Boden-Sitzen, so dass jeder von uns beiden beschäftigt ist und sie nicht direkt von meiner Person unterhalten wird. Warum aber stört mich das alles so, warum gelingt mir es so selten, ihre Kooperation zu erkennen? An einem dieser Tage lag ich auf dem Boden und hab sie beim Entdecken und Rumturnen beobachtet. Kurz zuvor wurde sie von mir vom Bad in Wickelzimmer, von dort in die Küche, von der Küche wieder ins Bad getragen und dann endlich im Wohnzimmer auf der Spieldecke abgesetzt. Ich würde sie natürlich auch gerne alleine spielen lassen, aber sobald ich weg bin, gibt es Geschrei- was ich in ihrem Alter noch komplett verstehen kann. Sie muss also immer mitgenommen werden. Ich hab mich also in diesem Moment neben sie gelegt und mir einfach mal versucht vorzustellen, wie es sich aus ihrer Sicht anfühlen muss. Auch wenn ich ihr meistens verbal ankündige, dass ich sie jetzt hochnehme und ins Bad tragen werde bzw. ich sie animiere, mir hinterher zu krabbeln, hat sie vielleicht gerade gar keine Lust dazu. Sie ist vertieft in ihr Spiel und will in dem Moment nur, dass eine ihr bekannte Person dabei sitzt und im Zweifelsfall verfügbar für sie ist. Wenn ich nun aber ab und an auch Dinge erledigen muss, der Haushalt macht sich eben gerade nicht von allein, bleibt mir nichts anderes übrig, als sie auf dieser Umgebung herauszunehmen - gerne auch mit ihrem Spielzeug. Ein Zeichen ihrer Kooperation ist dabei doch eindeutig, dass sie das einige Male mit sich machen lässt und es kaum Widerstand gibt. Es ist auf der anderen Seite aus ihrer Sicht auch vollkommen logisch, dass sie genau das machen und analysieren möchte, was wir gerade in der Hand haben bzw. dabei sind zu tun. Sie kann nicht selber entscheiden, wo sie wann hingeht und wann sie zum Schlafen gebracht wird oder wann sie zum nächsten Termin getragen wird. Der Fakt, dass mich die Momente so anstrengen, in denen es nicht ohne Widerwillen funktioniert ist ja wiederum nur ein Zeichen dafür, dass es in all den anderen Momenten gut geht. Ich aber konzentriere mich in meiner Erinnerung nur auf die Momente, in denen ich ein meckerndes Kind hab und nicht weiß, wie ich es zufrieden stellen soll. Häufig denke ich mir, was ich denn noch tun soll und dass ich doch gefühlt schon alles tue, um ihren Bedürfnissen entgegen zu kommen. Aber auch wenn das Tragen deutlich mehr zur Zufriedenheit beiträgt als Auto fahren oder gar Kinderwagen, heißt das trotzdem nicht, dass sie gerade jetzt lieber spielen wollte und eben nicht im Tragetuch sitzen will. Genauso gibt es viele Momente, in denen sie nicht abgehalten werden will sondern angezogen bleiben möchte, auch wenn sie normalerweise sich auch nicht in die Windel erleichtern will. Aus meiner Sicht handle ich als bedürfnisorientiert, aber sehe das Ganze in solchen Momenten nicht im Kontext. Außerdem ist es wichtig, mich dann zu fragen, welche Erwartungen ich selber an das Kind habe und ob ich nur deswegen so verzweifelt reagiere, weil ich mir ein anderes Bild ausgemalt habe. Wenn ich mir die Situation mit einem Erwachsenen vorstelle, würde mir die andere Person einfach verbal mitteilen können, dass sie jetzt lieber in Ruhe das Buch zu Ende lesen möchte und mich nicht nach draußen begleiten will. Das Kind kann genau ihren Wunsch, etwas anderes tun zu wollen nur mit Widerwillen oder Schreien zum Ausdruck bringen. Was also tun? Ich habe für mich entschieden, abzuwägen und eine Balance zu finden zwischen Notwendigkeit, jetzt meine Entscheidung umzusetzen und der Rücksichtnahme auf ihre Bedürfnisse. In manchen Situationen ist es leider nicht vermeidbar und sie muss gewickelt oder zum nächsten Termin getragen werden. In anderen Fällen muss ich eben nicht unbedingt pünktlich erscheinen oder das neue Tragetuch ausprobieren bzw. lass einfach alle Arbeit liegen und sitze mit ihr gemeinsam auf der Spieldecke. Auch wenn sich das Geschimpfe nicht verhindern lässt, kann ich es aber trotzdem wesentlich entspannter ertragen, denn ich bin mir ihrer Unlust in dem Moment bewusst, habe es aber unter Abwägung unser beider Bedürfnisse entschieden und kann diesen Entschluss klar und selbstbewusst umsetzen. Letztendlich ist es meiner Ansicht nach wichtig, dass wir immer noch die Eltern sind und es auch klare Neins und Grenzen gibt-auch schon in diesem Alter. Wir haben die Verantwortung, Dinge zu entscheiden, bei denen es schlicht keine Alternativen gibt (z.B. Ampel oder Sicherheit) oder die uns persönlich einfach sehr wichtig sind. Andererseits gibt es diese Situationen, in denen ich die tatsächliche Notwendigkeit überdenken muss und auch gerne mal meine fertigen Erwartungen zurückstellen kann. Ironischerweise nimmt diese Herangehensweise Druck aus meinem Handeln bzw. bestärkt mich in meinen Entscheidungen, weswegen die Kooperation ganz wie durch Zauberhand wieder ansteigt. Im Endeffekt ist einfach wichtig, die Bedürfnisse aller Familienmitglieder auszubalancieren, sonst steigt die Unzufriedenheit sehr schnell an.

 

In diesem Sinne euch allen einen schönen Abend.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0