Dreimal täglich wischen...warum überhaupt "Breifrei" und wie wir begonnen haben!

Vor Geburt hatte ich mich eigentlich gar nicht mit dem Thema Beikost beschäftigt. Ich wusste, irgendwann (wahrscheinlich mit den Zähnen - dachte ich) wird begonnen, dem Kind Essen anzubieten und grundsätzlich darauf geachtet, dass es nicht so stark gewürzt und natürlich ungesüßt ist. Mehr war mir zu dem Zeitpunkt nicht bekannt und ich hatte - und habe auch immer noch - keinen fixen Termin in Planung, zu dem ich einmal abstillen würde. 

Mit der Zeit sah ich dann die Beikosteinführung bei anderen Mamis voranschreiten und schaute mir Broschüren zu dem Thema an, die ganz klar relativ starre Fahrpläne zum Thema Beikosteinführung vorgaben. Diese Vorgaben empfehlen den Beikoststart zwischen Monat 5 und 7 und beginnen zunächst mit einer mittäglichen Gemüsemahlzeit, bei welcher zunächst nur eine Gemüsesorte (Karotte oder Pastinake) eingeführt und dann in den Folgewochen mit Kartoffeln und Fleisch angereichert wird. Die bis dahin noch empfohlene vor- und nachmittägliche Milchmahlzeit sollte dann bis zum 9. Lebensmonat durch eine kleine Früchte- oder Knabber-Zwischenmahlzeit am Morgen bzw. einen Früchte-Getreidebrei am Nachmittag, ersetzt werden. Es werden für diese Mahlzeiten auch ungefähre Richtmengen angegeben.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass mir das alles etwas zu starr vorkam und zu wenig auf die Individualität des Essers Rücksicht nahm. Ich wollte nicht gleich zu Beginn der Beikosteinführung Stillmahlzeiten ersetzen (auch wenn ich ohnehin keinen Stillrhythmus hatte und habe) und dann darauf angewiesen sein, dass das Kind seine Menge Brei verdrückt um einigermaßen zu schlafen, Pre-Milch wollte ich eigentlich auch, wenn möglich, vermeiden. Bevor ich selber ein Kind hatte, war mir diese starre Beikostempfehlung gar nicht bewusst, ich wusste zumindest von meiner lieben Mama, dass ich bis zum 9. Lebensmonat gestillt wurde und vorher auch überhaupt nichts anderes akzeptierte. Ab dann aß ich einfach vom Familientisch mit bzw. wurde ich mit zerdrücktem Gemüse etc. gefüttert. 

Ich begann also nach Alternativen zu suchen und würde fündig - es tauchte immer wieder das Stichwort der "Breifrei-Beikost" auf. Was genau aber ist das überhaupt?

Glaubt man den Anhängern des BLW-Baby-Led Weaning (dt.:Kind-geleitetes Abstillen), bringt ein Kind die Werkzeuge zum Selberessen bei eintretender Beikostreife mit; Es kann greifen, zum Mund führen und auch ohne Zähne weiche Nahrung verwerten. Es bekommt die Möglichkeit, Nahrung selber und im eigenen Tempo zu erfühlen und zu verköstigen. Es besteht nach deren Meinung weniger Zwang, da die Beikost zu Beginn eher einer Entdeckerreise gleicht und der sanften Einführung in die Welt der festen Nahrung dient. Parallel dazu wird in der Konsequenz weiter nach Bedarf gestillt oder Pre-Milch gereicht. Dadurch ist das Baby auch mit den  homöopathischen Mengen zu Beginn der Beikost weiterhin optimal mit den nötigen Nährstoffen versorgt und kann sich weiter normal entwickeln. 

All das klang sehr spannend und ich wollte es zumindest probieren, meine Erfahrungen und Gefühl würden dann entscheiden, ob das Ganze auch im Alltag funktionieren kann. 

Seit Januar, also dem 6. Lebensmonat etwa, sind wir aktive BLW-ler und bisher hab ich es noch nicht bereut.

Ich reiche etwa 3x täglich zu den gemeinsamen Mahlzeiten (die auch immer zu unterschiedlichen Zeiten und auch mal zu später Stund stattfinden können) eine Baby-gerechte Alternative. Begonnen habe ich mit gedünstetem Brokkoli und Blumenkohl, gekochten Kartoffeln und Süßkartoffeln sowie gedünstetem Gemüse. Ich hatte mich schon darauf eingestellt, dass es immer ein Chaos geben wird und das Essen zu Beginn überall außer im Mund landen würde. Umso mehr überraschte mich die Tatsache, dass Madame recht schnell zu begreifen schien, dass es einen Unterschied zwischen Essen und Spielzeug gibt und sie auch immer mehr davon (auch wenn es sehr von der Tagesform abhängt) in den Mund steckte. Ich erweiterte etwas das Angebot und bot auch immer mehr Getreideprodukte an, der Renner waren und sind darunter immer noch Nudeln, Pancakes, Gemüsekuchen und Flapjack-Kekse (siehe Literaturtipps für Rezeptbücher). Da wir unser Mehl frisch und selber mahlen, kann ich immer top frische Produkte anbieten und auch Urkörner verwenden, wie z.B. Khorasan Weizen oder Emmer. Am Windelinhalt (oder Abhalteresultat) konnte ich erkennen, dass auch tatsächlich immer mehr im kleinen Babykörper ankam und vertraute einfach darauf, dass es der richtige Weg ist. Es gab in der Zeit nur eine unangenehme Situation, bei der sich Madame schwer verschluckte, sie aber direkt beim auf-den-Bauch Drehen das hängengebliebene Stück ausspucken konnte. Der Fehler in dem Fall lag aber eindeutig bei mir- ich hatte die rote Beete nicht weich genug gekocht und so konnte sie das abgelöste Stück schwer im Mund verwerten. 

Meine bisherigen Erfahrungen sind recht positiv und empfinde die Beikost nicht als Zwang. Im Besonderen für diese Methode spricht meiner Meinung nach, dass Madame unglaublich viel Spaß am Entdecken hat und Nahrungsaufnahme von Anfang an selber kompetent gestalten kann. Sie ist selbstwirksam und entscheidet, wieviel sie wovon essen möchte. Sie trinkt immer besser aus ganz normalen Gläsern (natürlich halten wir die Becher noch fest) und versteht schon sehr genau, was damit zu tun ist. Außerdem mag ich sehr, dass wir alle gemeinsam als Familie essen können, auch wenn der Papa erst später als 18 Uhr da ist und damit auch erst später gegessen wird. 

Es soll aber nicht verschwiegen werden, dass es viel viel langsamer ist als die übliche Beikosteinführung. Man sollte also schonmal seine Erwartungen ablegen. Auch die Sauerei ist nicht weg zu reden und ein guter Vorrat an Lätzchen und eine Tischmatte sind wirklich unbedingt nötig. Es ist aber, finde ich, wie mit allen Dingen im Leben, es braucht Gewohnheit und dann ist auch das ein normaler Teil des chaotischen Alltags. Ich stille aktuell noch relativ viel, habe aber das Gefühl, dass es weniger wird und auch die Nächte etwas besser werden. Natürlich sind das alles nur meine persönlichen Erfahrungen und es gibt Babys, die brauchen schneller mehr Nahrung und akzeptieren auch dann die Brust nicht mehr als Nahrungsquelle bzw. denen reicht auch die Pre-Nahrung nicht mehr aus. Es spricht auch überhaupt nichts gegen Breikost, selbst ich habe ab und an Suppe gefüttert, wenn das unser Abendessen war und fand auch, dass Madame diese gut angenommen hatte. Meiner Meinung nach gehört zur entspannten Beikost nämlich auch dazu, nichts militant zu betreiben und wenn das Kind interessiert zum Brei der anderen schaut, soll sie auch soviel, wie sie möchte davon probieren. Wichtig ist mir aber immer, dass es ohne Zwang geschieht, denn ich möchte, dass sie von Beginn an etwas Schönes mit der Nahrungsaufnahme verbindet.

 

Das dazu, mal sehen, wie es weitergeht, ich bin auf jeden Fall gespannt.

Gute Nacht :-)

 

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