Aller Anfang ist schwer... 7 Monate nach Geburt- Meine Erfahrungen mit Tragen, Stoffwindeln, Windelfrei und Breifrei und der tägliche Wahnsinn

Der erste Eintrag und soviel zu erzählen:-)

Ich definiere den heutigen Eintrag einfach als Status Quo und fasse kurz zusammen, wie ich die ersten 7 Lebensmonate von meiner Wirbelwind-Tochter erlebt habe, in den späteren Einträgen gehe ich dann rubrikweise vor und sammle Neuigkeiten, die von Interesse sein könnten, zu den einzelnen Themen.

Das Bild ist alles andere als gut geschossen aber beschreibt ganz gut, wie rasant die Entwicklung von Madame von statten geht- gerade eben geboren, sitzt sie jetzt schon zwischen uns und spielt mit allem, was sie finden kann (außer mit Spielzeug :-) ) und nimmt es auseinander. Sie ist so voller Neugier und dem unbedingten Willen immer mehr zu können. Sie ist mein täglicher Lehrer und die Erinnerung an das, wofür wir eigentlich hier sind: die Welt entdecken, erforschen und ausprobieren; immer wieder aufstehen und neu versuchen weiterzukommen und vor allem das unerschütterliche Vertrauen in andere Menschen.

Kinder sind tatsächlich ein bisschen unser Spiegel, wie es Jesper Juul beschreibt und erinnern uns immer wieder an unsere eigenen Stärken und Schwächen. Ist meine Stimmung schlecht oder der fühl ich mich einfach etwas überfordert, ist auch Madame unausgeglichen oder aber sie erkennt, dass sie gerade nicht die 100%-ige Aufmerksamkeit einfordern kann, da es übergeordnete Probleme gibt und nimmt sich zurück, sie "kooperiert" dann ganz besonders. 

Ich hatte mir zuvor soviel vorgenommen und doch ist es manchmal der Alltag, Haushalt, der Schlafmangel oder einfach die pure Erschöpfung, die mir häufig zeigt, dass ich eben doch nur ein Mensch bin mit guten und schlechten Tagen. Es ist anstrengend den ganzen Tag parat zu stehen und ich bin auch nicht immer geduldig sondern nutze auch gerne das nächste Kissen, um mal kräftig reinzuschreien. Unsere heutige Welt ist leider häufig so geartet, dass wir keine Gruppe oder mehrere Generationen an einem Ort zur Verfügung haben und alle sich gegenseitig unterstützen. Es ist vielmehr die Mutter und das Kind, die den Tag gemeinsam verbringen bzw. sich mit diversen Aktivitäten (der Markt ist voll davon) die Zeit vertreiben, einfach um auch einmal andere Menschen zu sehen und sich austauschen zu können. Es ist ein Job, der wirklich unterschätzt wird und das obwohl wir in Deutschland den "Luxus" von einer 1-jährigen "Auszeit" haben. Häufig habe ich mich gefragt, wie Kindererziehung wohl zu Zeiten unserer Eltern funktioniert hat- angeblich waren wir ja alle durchschlafende, unkomplizierte und pflegeleichte Babys gewesen und das ganz ohne Familienbett, Tragen etc. Entweder hat  die Macht der Verdrängung gesiegt und die unangenehmen Erinnerungen wurden im Gedächtnis weit nach hinten geschoben oder aber da ist was dran. Fakt ist, die Reize sind deutlich mehr geworden in unserer Zeit, auch die Arbeitszeiten sind länger, die Familien verstreuter und das durchschnittliche Alter der Mütter beim ersten Kind ist höher. Womöglich waren Kinder auch nicht der zentrale Fokus wie heute-man hat Kinder bekommen aber sie nicht die ganze Zeit bespaßt sondern machen und ausprobieren lassen. Ist es vielleicht das, was es heute schwerer macht? Wir haben mehr Zugang zu Informationen und wollen es perfekt machen? Auf der anderen Seite können sich Babys auch daran gewöhnen, ihre Bedürfnisse nicht immer befriedigt zu sehen- die schlimmen Schlaftrainings bauen ja genau darauf auf. Wenn keiner kommt und mich tröstet, brauch ich nicht weiter schreien- denkt sich dann das Baby und gewöhnt sich daran. Das sollte aber im Umkehrschluss nicht bedeuten, das Baby könne schon "manipulieren". Ich denke aber schon beobachten zu können, dass Babys, die sich sicher und geborgen fühlen und mit ihren Bedürfnissen ernst genommen werden, auch länger danach schreien, endlich z.B. hochgenommen oder getragen zu werden.

 

Unsere Reise hatte holprig begonnen. Die Geburt wurde nach 12 Tagen über ET mit Einleitung, Saugglocke und vielen Hormonen und PDA "über die Bühne gebracht" (so muss man es leider sagen). Ich hatte 4 Tage lang Einleite-Medikamente nehmen müssen, die außer Schmerz nichts genützt hatten. Hinzu kam ein Blasenriss, der wegen Infektionsgefahr den zeitlichen Druck erhöhte. Da es uns beiden aber immer gut ging, waren wir alle weitestgehend entspannt, auch wenn es eher keine Traumgeburt gewesen ist. 

Madame hatte in den ersten Monaten vielleicht gerade deswegen größere Anpassungsschwierigkeiten und wollte immer nur getragen werden. Vielleicht war es auch unsere Unsicherheit, die blanke Überforderung und Unwissenheit, wir man das abendliche Schreien begleiten sollte, man richtig stillt und überhaupt ein Baby richtig hält. Rückblickend hätte ich mir gern etwas mehr Gelassenheit gewünscht und mehr Vertrauen in mein Kind, denn es ist NORMAL, wenn das Baby jeden Abend schreit. Es ist NORMAL, dass es bei uns schlafen möchte und es ist um einiges einfacher, das alles zu akzeptieren und zu verstehen, wenn man es einfach so begleitet und dem inneren Gefühl folgt. Es hat sich für uns immer richtig angefühlt, unsere Tochter zwischen uns schlafen zu lassen und sie zu tragen. Ich glaube fast, dass der Kinderwagen funktioniert hätte, wenn ich es auch mit Selbstverständlichkeit angegangen wäre. Es hat sich aber (für mich! nicht pauschal) immer besser angefühlt, das Baby bei mir zu tragen.

Getragen haben wir von Anfang an in der LueMai MeiTai-Trage, auch wenn ich mit dem Wissen von heute, lieber mit einem elastischen Tuch begonnen hätte. Madame war und ist sehr zart und eine optimale Stützung, gerade am Anfang, ist schon eher in einem Tuch gegeben. Nachdem ich mich nun mehr mit dem Tragethema beschäftigt habe, trage ich wieder viel mit gewebten Tüchern und wechsle zwischen verschiedenen Bindeweisen vor dem Bauch, auf der Hüfte und auf dem Rücken hin und her. Die 7kg kann ich auch noch problemlos vorn tragen:-) Es ist unglaublich spannend, immer wieder neue Techniken zu lernen und auszuprobieren, an dieser Stelle : DANKE, dass es so tolle Videos wie "Wrap you in Love" gibt - unbedingte Empfehlung!!!

Zum Thema Stoffwindeln gibt es genug tolle Internetseiten, die sich ganz ausführlich mit dem Thema befassen. Ich kann nur sagen, dass es für uns die passende Lösung ist und wir mit unseren Mullwindeln und Überhosen (Milovia+Anavy) sowie diversen Boostern (Hanf, Bambus, ZORB) ganz gut zurecht kommen. 

Ich hatte mich bereits vor Geburt mit dem Thema Windelfrei aus Interesse beschäftigt und fand es eigentlich sehr spannend. Wie es aber nunmal so ist, vergingen die ersten Monate so schnell, dass ich gar keine Zeit hatte, über Alternativen nachzudenken. Und wieder einmal war es unser Kind, was mir, wie auch schon beim Tragen, zeigte, dass es bedürfnisorientierter geht. Ich hatte damals schon häufiger bemerkt, dass Madame immer etwa 10 min. nach Einbinden in die Trage unruhig wurde und sogar zu schreien begann, bevor sie dann 10 min. später einschlief. Ich dachte zunächst, es liege an meiner Unsicherheit, die auch sie beunruhigte oder an dem Kampf gegen das Einschlafen und schenkte dem Ganzen keine weitere Aufmerksamkeit bis ich in einem Artgerecht-Youtube Interview zum Thema schlafen erfuhr, dass dieses Verhalten auch an einer vollen Blase liegen kann. Ich beschäftige mich also noch einmal mit der Abhalte-Thema und probierte es genau in diesen Situationen aus; Immer wenn Madame anfing in der Trage zu schimpfen, nahm ich sie raus und hielt sie über die Toilette (oder bei uns das Waschbecken) und siehe da, es funktionierte. Sie ließ sich erneut einbinden und schlief selig ein. Da ich vorher häufig wütend wurde und mich immer wieder fragte, was ich denn noch machen sollte, damit sie zufrieden ist, ärgerte ich mich nun über mich selber, schließlich hatte ich das Bedürfnis nicht ernst genommen und verlangt, dass sie in der Trage PiPi macht und dann in der nassen Windel einzuschlafen. Das hätte ich auch nicht so toll gefunden. 

Ich fand heraus, dass die gleiche Unruhe auch nachts zu einem schlechteren Schlaf führte und hielt sie daraufhin auch nachts ab. Mittlerweile schaffe ich es nachts nach dem Abhalten, das Kind auf dem Bauch liegend im Dunkeln wieder anzuziehen, ohne dass sie wach wird. Nachts funktioniert es mittlerweile mal besser, mal schlechter. Geht es in die Windel, wechsle ich die dann einfach, ist sie trocken, knöpfe ich die Windel seitlich auf, halte stillend ab, lege Madame ab und zieh wieder alles drüber. Mit etwas Übung klappt das auch ganz gut. Die Nachtwäsche besteht seitdem aus Body, Nachthemd und Schlafsack-das ist nicht superpraktisch aber praktischer als ein Schlafanzug. Tagsüber ist es immer abhängig von der Tagesform von uns beiden. An manchen Tagen geht gar nichts und Madame streckt sich sofort durch, will also überhaupt nicht abgehalten werden. An anderen klappt es gut. Generell sind die Signale uneindeutig (außer beim großen Geschäft) und es ist immer trial and error. Ich habe mir angewöhnt, Madame tagsüber zu Hause in Abhaltehosen krabbeln zu lassen. Somit muss ich nur den Streifen im Schritt abknöpfen, abhalten und kann sie beim Krabbeln wieder anziehen. Es ist nämlich nicht unbedingt das Abhalten, das ihr missfällt, sondern vielmehr das An- und Ausziehen. Auch eine Wollüberhose mit einem Baumwoll-Frottee drin hat sich bewährt und ist eine gute Zu-Hause-Lösung. 

Wie es weiter geht mit unserer Windelfrei-Erlebnistour, erfahrt ihr demnächst in der eigenen Windelfrei-Rubrik.

 

Madame hat mit 6 Monaten schon einige Beikostreifezeichen erfüllt und auch schon sehr stabil gesessen, so dass wir begonnen haben, immer mal wieder Finger Food zu reichen. Seit sie nun auch selbständig sitzt, bekommt sie immer wenn wir essen, auch ihre Mahlzeit im Hochstuhl. So richtig entschieden habe ich diese Vorgehensweise eigentlich auch nicht, sondern es hat sich einfach richtiger angefühlt, ihr normales Essen anzubieten, als stur mittags 150g Brei zu füttern. Einerseits erleichtert es deutlich das gemeinsame Essen, da alle gemeinsam am Tisch sitzen können und jeder sein Essen vor sich hat. Zum Anderen hat Madame soviel Freude und Spass dabei, dass es sich einfach richtig angefühlt hat, diesen Weg zu gehen. So haben wir keine festen Essenszeiten, sondern essen einfach drei Mahlzeiten über den Tag verteilt und bieten ihr dabei immer weiche, ungewürzte und ungesüßte Varianten an. Obwohl ich selber seit mehreren Jahren vegan lebe (einzige Ausnahme ist ab und an Rohmilchkäse), biete ich Fleisch und Ei mit an. Kinder können ganz allein aus gesunden Alternativen das wählen, was sie gerade brauchen und ich vertraue dabei auf ihre Kompetenz. Natürlich klappt das nur, wenn der Geschmack nicht durch Zucker oder Salz verfälscht und die Entscheidungsfähigkeit manipuliert wird. Wir reichen eigentlich die ganze Palette an, von Gemüse und Obststücke, (Ohne Eier-)Eierkuchen, Gemüsekuchen bis hin zu selbstgemachter Pizza, Nudeln, ungesüßten Keksen etc. 

Was mir das Leben deutlich leichter macht und das Chaos am Esstisch in Grenzen hält, sind folgende Utensilien:

  • Lätzchen mit Ärmeln
  • Wachsdecke für den Boden
  • Rutschfeste Unterlage bzw. Tischmatten

Nach dem Essen wische ich Gesicht und Hände mit einem Waschlappen sauber und abends wird gebadet.

Klar ist, dass diese Art der Beikosteinführung nicht so schnell gehen kann, wie Breikost, die gefüttert wird. Ich vertraue dennoch darauf, dass es der richtige Weg ist, denn es fühlt sich richtig an. Noch haben wir den Luxus, weiterstillen zu können und keinen festen Stichtag zum Abstillen definieren zu müssen.

Das war ein grober Schnelldurchlauf um euch abzuholen und auf den Status Quo zu bringen. Es ist schon wieder so spät und der Morgen kommt schneller als mir lieb ist.

 

Ich sage bis bald und ruhige Nächte:-)

 

 

 

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